Schweiß und Flow-Erlebnis

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Von Martin Schreier

MÖSSINGEN. Küssen verboten, Tanzen erwünscht. Das sind die Regeln bei den 26. Tübinger Tanzsporttagen (TüTaTa), die der TSC Astoria Tübingen am Wochenende mit seinem Zweigverein TSC Astoria Mössingen zum vierten Mal in der Steinlachhalle ausrichtete.

Was nach Moralkeule klingt, hat einen ganz praktischen Grund. Selbstverständlich ist Küssen beim TBW-Trophy Finale nicht wirklich verboten. Aber während der vielen Siegerehrungen werden die Paare aufgefordert, auf das gängige Ritual zu verzichten –
man will im Zeitplan bleiben.

Zwei Tage lang, Samstag und Sonntag, wurde in der Steinlachhalle getanzt, was das Zeug hält. Von 500 Anmeldungen spricht Petra Dres vom Tanzsportverband Baden-Württemberg. Eigentlich klingt das nach einer ganz ordentlichen Zahl. Aber in Karlsruhe, das neben Mössingen und Leonberg-Gerbersheim einer der Austragungsorte der Turnierserie ist, waren es 800 Anmeldungen. »Das liegt an der Urlaubszeit und an der Hitze«, ist sich Dres sicher. Die Tänzer kommen aus allen Bundesländern, teilweise gar aus dem benachbarten Ausland.

Halle günstiger als in Tübingen

Da in einigen Regionen aber schon Schulferien sind und zudem sommerliche Temperaturen herrschen, schlägt sich das in den Anmeldezahlen nieder. »Die Paare sind heute nicht mehr so verrückt, wie wir es waren. Wir sind in aller Hitze überall hingefahren«, sagt Dres.

Beim TSC Astoria ist das dritte Wochenende im Juli traditionell für den Tanzsportwettbewerb reserviert: 22 Jahre lang in Tübingen (woher TüTaTa auch seinen Namen hat), seit vier Jahren in Mössingen. Mit dem neuen Austragungsort sind die Tanzfreunde sehr zufrieden. Für die Halle zahlen sie weniger als die Hälfte des Preises, der in Tübingen anfallen würde.

»Solange die Tübinger Stadtverwaltung dem Verein nicht entgegen kommt, wird das in Mössingen bleiben«, sagt TSC-Vizepräsident Fikret Bilge.

Nur mit dem Termin sind die Ausrichter nicht mehr zufrieden. »Allein heute Morgen hatten wir 35 Abmeldungen«, so Bilge. Die Zahl der Tanzpaare sei ohnehin rückläufig. Wenn dann auch noch Ferien und Hitze hinzukommen, werde es problematisch. »Wir wollen deswegen von diesem Wochenende weg.«

Tänzer umgekippt

Bis zum Samstagnachmittag sind drei Tänzerinnen und Tänzer umgekippt. Zwar konnten alle wieder aufs Parkett zurückkehren. Doch die gefühlten oder tatsächlichen 35 Grad Celsius fordern ihren Tribut. Alexander und Marina Engel vom TC Schwarz-Weiß Reutlingen haben bislang gut durchgehalten, wenngleich ihnen wie allen anderen der Schweiß von der Stirn rinnt. »Augen zu und durch«, ist Marina Engels Parole.

Seit fünf Jahren tanzen sie gemeinsam Standard. Spätestens bei den Landesmeisterschaften wollen sie die höchste Qualifikationsstufe S erreichen. Während Marina Engel früher eher auf dem Tennis-Court zuhause war, tanzt Gatte Alexander bereits ein Vierteljahrhundert. Er sei damals durch eine Freundin zum Latein-Tänzer geworden. Die Freundin ging. Die Tanzfreude blieb. Als Hauptmotivation nennt Engels das gute Körpergefühl. »Wenn es gut läuft, hat man ein richtiges Flow-Erlebnis.«

 

Referenz
Dieser Text erschien am 23.07.2013 in der Druck- und Onlineausgabe des Reutlinger General-Anzeigers (GEA). Auf gea.de erschien zusätzlich zum Text noch eine Bildstrecke.