Zauberhaft gesittet zum Weltrekord

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Über 100 Magier zeigen ihre Tricks im Minutentakt

VON MARTIN SCHREIER

TÜBINGEN. Das hat die Welt noch nicht gesehen. 100 Magier in 100 Minuten. So lautete die Ankündigung. Genau genommen sind es am Sonntag im Landestheater schließlich 106 Magier, und sie brauchen länger als 100 Minuten. Aber für den Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde spielt das keine Rolle. Denn Voraussetzung ist, dass alle Zauberer Mitglied des Magischen Zirkels sind, in mindestens sechzig Sekunden eine Darbietung mit dramaturgischen Aufbau vorführen und gemeinsam nicht länger als drei Stunden brauchen.

Um 13 Uhr soll die Generalprobe beginnen – vor Zuschauern. Aufregung in der Manege? „Nein, ich bin ein altes Bühnenross“, sagt Doctor Marrax gemütlich. Zylinder auf dem Kopf, Rauschebart im Gesicht – er ähnelt Doktor Eisenbart. Mit einem Messer wird er sich tief in den Arm schneiden – so sehen es die Zuschauer – und ihn mit seinem Allheilmittel narbenfrei kurieren.

Zauberer aus Indien und Kuba

Diszipliniert und entspannt bereiten sich die Zauberkünstler aus Deutschland, den Alpenrepubliken, Indien, Kuba und Spanien vor. Jeder hat noch Assistenten im Schlepptau. Trotzdem geht es in den engen Gängen hinter Bühne gesittet zu. Die größte Herausforderung ist für die Magier das Zeitlimit. Viele füllen üblicherweise mit ihrem Programm einen ganzen Abend. Heute müssen sie in etwa einer Minute eine Darbietung zeigen, die auch noch einer Dramaturgie folgt.

Die Idee zum zauberhaften Weltrekord hatte der amtierende Weltmeister Julius Frack schon im Juni vergangen Jahres.

Trotzdem ist er erst vor drei Monaten damit an die Öffentlichkeit gegangen und hat nach Mitstreitern gesucht. „Wir wollten vermeiden, dass uns jemand zuvorkommt“, erklärt Frack. Anlass für den Weltrekordversuch ist das hundertjährige Bestehen des Magischen Zirkels von Deutschland.

“Hektik hilft nicht”

Für Stefan Zucht, alias Julius Frack ist die Aktion ein ungeheurer Aufwand. „Das ist einer der Tage, an denen ich eindeutig zu wenig esse und trinke.“ Obwohl sich ein zehnköpfiges Team die organisatorische Arbeit teilt, kommen fast alle zu dem 36-Jährigen. Erstaunlicher als alle Zaubertricks ist, dass er jedem auch nach der zigsten Frage mit Herzlichkeit und Geduld begegnet. „Man eignet sich das so an. In Hektik verfallen, hilft doch auch nicht.“

„Einlass beendet“, meldet eine Lautsprecherstimme. Thomas Vité betritt die Bühne und zeigt den Besuchern mit seiner Exit-Nummer den Weg zum Notausgang. Doch den braucht an diesem Tag keiner. Denn die Schau zieht das Publikum in Bann. Bespielt wird die Bühne auf vier Plätzen: vorne, hinten, links und rechts. So können etwa links im Dunklen Requisiten entfernt werden, während in der rechten Bühnenhälfte schon die nächste Nummer beginnt.

Feste Zeitvorgaben

In der Pause versammeln sich die Artisten in einem kleinen Aufführungsraum zur Besprechung. „Bleibt solange eure Musik spielt auf der Bühne“, mahnt Julius Frack seine Kollegen. „Wenn die Nummer schon durch ist, einfach noch einmal verbeugen und lächeln.“

Die Musik erleichtert es den Artisten ihre Zeit einzuhalten, damit ihre Nummer auch beim Weltrekord zählt.

Die Generalprobe ist gut verlaufen. Nur den gemeinsamen Aufmarsch am Ende müssen die Künstler noch ein Mal üben. In der freien Zeit bis zur entscheidenden Aufführung gibt es asiatische Nudeln. Selbst beim Essen können die Magier das Zaubern nicht lassen. Auf der Straße hinter dem LTT haben sie einen Kreis gebildet. Alexander Hartmann hypnotisiert einen Kollegen, während die anderen Nudeln mümmelnd drumherum im Kreis stehen.

Unter den Augen der Gutachterin

Und dann geht es endlich losgehen. Seyda Subasi-Gemici, die Gutachterin für Guinnes World Records ist eingetroffen. Julius Frack zaubert den Landesverkehrsminister Winfried Hermann und Olympiasieger Dieter Baumann im Elektroauto der Stadtwerke auf die Bühne. Karten-, Seil- und Tuchtricks folgen im Minutentakt. Ben Profane fängt aus einer Schrotladung die richtige Kugel mit dem Mund. Magic Victoria, eine der wenigen zaubernden Frauen lässt ihre Leuchtstäbe tanzen. Konfetti-Regen. Applaus, Applaus. Die Schau ist durch, der Weltrekord geschafft. (sc)

 

Referenz
Dieser Artikel erschien am 6. März 2012 in der Printausgabe des Reutlinger General-Anzeigers (GEA), die Bildstrecke ist auf gea.de zu sehen.