Mehr Sicherheit fürs Hirn

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Der modernste neurochirurgische Operationssaal gesehen aus der Röhre des in den Saal fahrbaren iMRT. Im Hintergrund der Leiter der Neurochirurgischen Klinik Prof Marcos Tatagiba im Gespräch mit dem Leiter des Bereiches Intraoperative Bildgebung und Navigation Dr Günther C Feigle. Tübingen 2011. Foto: Martin Schreier / schreier.co
Der modernste neurochirurgische Operationssaal gesehen aus der Röhre des in den Saal fahrbaren iMRT. Im Hintergrund der Leiter der Neurochirurgischen Klinik Prof Marcos Tatagiba im Gespräch mit dem Leiter des Bereiches Intraoperative Bildgebung und Navigation Dr Günther C Feigle. Tübingen 2011. Foto: Martin Schreier / schreier.co

 

Von Martin Schreier

TÜBINGEN. Willkommen in der Zukunft. Die Universitätsklinik Tübingen hat sich den europaweit modernsten neurochirurgischen Operationssaal eingerichtet. Gerade bei neurochirurgischen Eingriffen ist höchste Präzision gefragt. »Die kleinsten Fehler haben schlimmste Folgen für den Patienten«, erklärt Marcos Tatagiba, Leiter der Neurochirurgischen Klinik.

Um die Behandlungsgenauigkeit zu verbessern, verfügt der neue Hightech-OP über einen beweglichen interoperativen Magnetresonanztomografen (iMRT) und eine integrierte Neuronavigation. Morgen wird der futuristisch anmutende Behandlungsraum mit einem internationalen Symposium eröffnet. Ende Mai soll er in Betrieb gehen.

Bislang wurden MRT-Bilder lediglich vor und zur Kontrolle nach der Operation gemacht. »Das hat in der Vergangenheit manchmal dazu geführt, dass mit einer zweiten Operation die verbliebenen Tumorreste entfernt werden mussten«, sagt Tatagiba. Mit dem neuen beweglichen iMRT kann schon während der Operation überprüft werden, ob alle Tumoranteile entfernt wurden und nötigenfalls nachgebessert werden.

Der iMRT kommt nicht nur bei Operationen an Hirntumoren, sondern auch bei Epilepsie-Eingriffen, Tiefenhirn-Stimulationen, bei Operationen an der Hirnanhangsdrüse sowie bei Aneurysma-Operationen zum Einsatz. Vor allem bei Eingriffen an Hirnarealen, die die Sprache und Bewegung steuern, ist das neue MRT-System von entscheidender Bedeutung.

Besonders sensible Hirnregionen können während der OP eindeutig lokalisiert werden. Damit werden noch exaktere minimalinvasive, mikrochirurgische Eingriffe unter Schonung funktionswichtiger Hirnareale möglich.

Besonders schonend ist das System für den Patienten, weil weder Patient noch OP-Tisch bewegt werden müssen. »Das erhöht die Patientensicherheit«, sagt der Neurochirurg Dr. Günther C. Feigl. Der MRT ist so installiert, dass er bei Bedarf aus einem angeschlossenen Raum an den Patienten herangefahren wird. Das lässt den Medizinern mehr Platz zum Arbeiten. Und auch die sonst erhöhte Geräuschbelastung durch die Heliumpumpe des MRT fällt weg.

Interessant ist der Operationssaal nicht nur für Patient und behandelnden Arzt, sondern auch für den medizinischen Nachwuchs. Das integrierte Multimediasystem erlaubt Live-Übertragung der Operationen in Hörsäle oder auch zu weltweiten Konferenzen. Fragen an den Chirurgen können per Übertragung noch während des Eingriffs gestellt und beantwortet werden.

 

Referenz
Dieser Text und Bild erschienen am 15.04.2011 in der Druckausgabe des Reutlinger General-Anzeigers (GEA) sowie auf gea.de.