Für einen schnellen Ausstieg

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Jürgen Trittin beim Landtagswahlkampf der Grünen in Tübingen 2011. Foto: Martin Schreier
Jürgen Trittin beim Landtagswahlkampf der Grünen in Tübingen 2011. Foto: Martin Schreier

VON MARTIN SCHREIER

TÜBINGEN. »Wir wollen nicht nur die Politik, sondern auch den Ministerpräsidenten auswechseln«, ruft der Landtagskandidat der Grünen, Daniel Lede Abal in den Saal. Als Wahlkampfverstärkung haben sich die Tübinger Grünen den Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion Jürgen Trittin geholt. Der Saal im Casino am Neckar ist bis auf den letzten Stuhl gefüllt. Selbst an den Wänden stehen die Besucher dicht gedrängt, um den Stargast aus Berlin zu erleben.

Und der trifft mit markigen Worten und nachdenklichen Tönen ganz offensichtlich den Nerv der Zuhörer. Trittin zeigt, dass die Grünen nicht nur in der Energiepolitik eigene Konzepte bieten. Er geißelt die Bildungspolitik der Regierung, die die sozialen Unterschiede nur festige. »In keinem anderen Land gibt es eine so große Abhängigkeit zwischen der Bildung der Kinder und dem Einkommen der Eltern.« Die Landespolitik habe mit der Einführung der Studiengebühren die sozialen Barrieren erhöht.

Kritik am Siedlungskonzept

Stuttgart 21 darf nicht fehlen. Was für eine Verschwendung sei das, eine Milliarde Euro aus Landesmitteln für einen unterirdischen Bahnhof auszugeben, nur damit in Stuttgart ein Stadtviertel für Besserverdienende entsteht, fragt Trittin. Es mache wirtschaftlich wie verkehrstechnisch keinen Sinn, einen gut funktionierenden Kopfbahnhof gegen einen schlechter funktionierenden unterirdischen Bahnhof zu tauschen.

Landläufig sage man der CDU Kompetenz in der Wirtschaftspolitik nach, setzt Trittin an.

Doch auch darin habe Ministerpräsident Stefan Mappus versagt. »Ich kenne keinen Grünen, der so blöd gewesen wäre, die EnBW für 18 Prozent über dem Börsenwert zu kaufen«, wettert Trittin mit erhobenen Händen. Die Grünen hätten schon immer für die Energiewende geworben. Mappus hingegen habe die Kanzlerin im letzten Jahr noch angetrieben, die Laufzeiten von Atomkraftwerken zu verlängern. Nach Trittins Urteil eine historische Fehlentscheidung; das Moratorium reine Wahltaktik ohne rechtliche Grundlage.

Allerdings räumt Trittin ein, dass selbst er sich eine atomare Katastrophe im Ausmaß von Fukushima nicht habe vorstellen können. »Die Menschen wollen raus aus der Atomenergie. Und sie wollen schneller raus.« Das müssten auch die Grünen berücksichtigen. Deshalb fordert er die sofortige Stilllegung aller nicht gegen Flugzeugabstürze gesicherten AKW und die Rücknahme der Laufzeitverlängerung. »In Baden-Württemberg wird darüber entschieden, ob das Ende der Atomenergie kommen wird oder nicht«, gibt er den Gästen mit auf den Weg. Das stehe aber nur in Aussicht, wenn Merkel und Mappus abgewählt werden: »Sorgen Sie dafür, dass die Restlaufzeit dieser Regierung am kommenden Sonntag endet.«

 

Referenz
Dieser Text erschien am 25.03.2011 in der Druckausgabe des Reutlinger General-Anzeigers (GEA) sowie auf gea.de.